Frisst du was in dich rein?
mmuppetti 15. März 2009
Yep, ich lerne. Und zwar: Menschen sind satt. Total satt und überfordert damit, um Hilfe gebeten zu werden. Der Weg ist möglicherweise, ihnen selbst Hilfe anzubieten. Okay, denke ich, das verstehe ich. Hilfe wird auch schon woanders angeboten – diese Idee ist auch nicht neu. Beispielsweise hier von der TelefonSeelsorge mit der Nummer 0800-1110111 und total kostenlos.
Ich weiß nicht, wie viele Menschen dort anrufen – ich weiß nur, dass ich selbst nichtmal den Ansatz einer Idee hatte, dort anzurufen. Wieso? Ist es mir peinlich – es ist anonym. Denke ich, dass sie mir eh nicht helfen können, weil mein Problem so einzigartig ist – hmm, die wenigsten Probleme sind wirklich einzigartig. Wir sind Menschen, wir haben ähnliche Auffassungen. Von Liebe, von Hass und auch von Problemen wie Arbeitslosigkeit, schlechten Noten, scheiß Eltern, Sinnlosigkeit, Ratlosigkeit. WARUM also rufe ich da nicht an? Und dann kommt mir als Lösung: weil es nur per Telefon ist. Und weil ja das Telefonat auch irgendwann beendet ist und dann? Dann sitze ich ja doch wieder allein mit mir und meinen Gedanken da.
Also… ich denke und denke und alle Windungen qualmen. Vielleicht ist das Problem noch woanders. Also… Ausgangspunkt war “in sich reinfressen”. Hinnehmen, Stillhalten, Schlucken, Funktionieren, Ertragen, Reinfressen, Reinfressen, Reinfressen.
Wieso tust du das?
- Weil du denkst, das muss so sein. Weil dir noch niemand gesagt und gezeigt hat, dass es gar nicht stimmt, dass es so sein muss.
- Weil du angst hast, dass sie dich ausschließen, über dich lästern, dich blöd finden. Weil du angst hast, keine Liebe zu bekommen. Keine Anerkennung, keine Zärtlichkeit, weil “du es nicht verdient hast”.
- Weil du nicht den Mut hast ihnen zu sagen “Das reicht jetzt. Was ihr macht, ist ungerecht und so lasse ich mich nicht behandeln!”. Weil du nicht für deine Rechte, deine Position kämpfst.
- Weil du keinen Respekt vor dir hast, deinen Wert viel zu gering einschätzt und ihnen nicht sagst was DU erwartest, willst dir wünschst. Weil du deinen Mund nicht aufkriegst und denkst, sie müssten von selbst drauf kommen. Pfff, das tun sie nicht.
- Weil du noch nicht von den grundlegenden Mechanismen gehört hast, die in jedem Coaching-Seminar, in jedem Ratgeber, in jedem Motivationsbuch und – besonders zu betonen – in “Emotionale Intelligenz” von Daniel Goleman zu finden sind. Weil es dir noch niemand verklickert hat – weder deine Eltern, noch die Schule, noch irgendwelche Freunde und auch nicht dein Handy, dein Spiel, verstehst du? Das einzige, was es dir manchmal vorlebt, sind Filme. Deswegen magst du ja Filme auch so doll. Aber du weißt gar nicht, warum eigentlich.
Okay, und jetzt trage ich erstmal spontan die Mechanismen zusammen, die ich selbst schon kapiert habe.
- Je mehr du für andere machst und weniger an dich denkst, desto weniger schätzen sie es.
Erklärung: Das kennst du vielleicht aus deiner eigenen Familie. Aus Beobachtung oder eigener Erfahrung. Beispiel: du fährst immer zu deiner Oma, obwohl du keine Lust hast. Du tust es, weil du Gewissensbisse hast. Wenn du dann dort bist, hast du keinen Bock, mit ihr zu reden oder sie nervt dich an oder du machst deine Aufgaben ganz schnell und verschwindest wieder. Tja, davon hast du nichts und schlimmer noch: du musstest dir anhören, dass dein Cousin letzte Woche zu Besuch war und dass deine Oma total ausgeflippt ist vor Freude. Dabei lässt er sich nur jedes halbe Jahr blicken, während du jede Woche bei deiner Oma antanzt. Was ist falsch, fragst du? Erkenntnis: du bist für deine Oma selbstverständlich, du bist ja immer da. Hinzu kommt, dass du sie besuchst, weil du meinst, du müsstest es tun. Dadurch bist du selbst wahrscheinich weder super gelaunt, noch besonders gesprächig oder gar witzig. Tja, deine Oma merkt das – sie ist ein Mensch wie du und du merkst ja auch, wenn jemand keine Lust hat, mit dir Witze zu machen und sich mit dir zu unterhalten. Lösung: fahr alle zwei Wochen hin. Aber sag es ihr und auch deiner Familie. Du wirst sehen, dass sie zuerst sagen “Ja, aber das kannst du doch nicht machen!” und wenn du dich davon nicht beirren lässt, sondern auf deinem Standpunkt bleibst, dann werden sie sich ganz schnell was einfallen lassen. Menschen sind bequem. Wenn du sie aber au dieser Bequemlichkeit rausschubst, dann können sie ganz plötzlich auch was tun. Dieses Prinzip ist 100 Mal älter als du, daher nimm es ernst.) - Ein bekannter Psychologe, Albert Bandura, hat einen Satz gesagt, den ich zu meinen absoluten Favoriten zähle. Und zwar “Was man von seinen Fähigkeiten denkt, wirkt sich auch auf diese aus.”
Erklärung: wenn du denkst, du bist dumm, dann wirst du es. Wenn du denkst, dass dir sowieso nichts gelingen wird, dann – herzlichen Glückwunsch – wird dir wahrscheinlich sowieso nichts gelingen. Wenn du denkst, du kannst kein Mathe und wirst es auch nie lernen, dann machst du in dir selbst alle Türchen zu, in die doch ein Verständnis für Mathe hineinkriechen könnte. Beispiel: meine eigene Mutter hat mir immer von ihrer furchtbaren Mathelehrerin erzählt und davon, dass sie immer schreckliche Angst vor ihr hatte und dann nichts sagen konnte, als die geprüft wurde und schließlich auch immer nur ganz miserable Noten hatte. Und weißt du, was passiert ist? Ich habe das gleiche auch gedacht: dass ich das nicht kann und niiiiieeeemals auch nur annähernd verstehen werde, was diese Mathematik eigentlich genau von mir will. Und echt, ich hatte jahrelang grässliche Mathenoten. Und sogar im Studium bin ich ZWEIMAL durch Matheklausuren gefallen. Das war wirklich Mist und mir ging es auch gar nicht gut. Aber da ich das Studium beenden und nicht vermasseln wollte, habe ich einen Plan geschmiedet. Der da war: ich lerne das jetzt. Erkenntnis: Wenn das andere können, wieso zum Teufel soll ich das nicht auch können??? Mein Hirn ist auch nicht viel anders als deren Hirne und die Aufgaben wurden ja auch nicht von Außerirdischen gemacht… also muss ich das schaffen können. Lösung: ich habe mich auf meinen Popo gesetzt und alle Aufgaben aus dem Matheskript ganz fein und genau angesehen, mit ihnen geschimpft und auch verhandelt und sie dann gelöst. Ich bin zu meiner Mathe-Professorin und habe sie gelöchert bis ich jeden kleinen Punkt und jedes kryptische Zeichen verstanden habe. Hinzu kam meine immense Prüfungsangst. Mit der habe ich geredet. Ich habe mir die schrecklichste aller eintreffenden Möglichkeiten bis in die letzte Szene ausgemalt und mir vorgestellt, ich müsse diese Situation – also diese Prüfung – nochmal erleben. Und genau das wollte ich nicht und also sammelten sich meine Energien zusammen und ich hab’s geschafft. Ich hab’s geschafft! Und das ist der Beweis dafür, dass du das auch kannst. Aber du wirst es nicht schaffen, wenn du nichts dafür tust. Wenn du was dafür tust, dann schaffst du es. Das ist sicher.
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